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Myanmar verändert sich... - Threadteilung (Gelesen: 2313 mal)
Andreas
Administrator
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Beiträge: 509
03.09.14 um 10:12:20
 
Hallo, ich habe aus einem anderen Thread ( http://www.myanmar-guide.de/cgi-bin/forum/YaBB.pl?num=1409570065 ) einige Beiträge rausgenommen und hier eingefügt.
Gruss Andreas
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ardesign
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Beiträge: 238
Antwort #1 - 02.09.14 um 14:35:14
 
Hallo octopus und olepho,

es ist schon richtig: Myanmar verändert sich und selbst vor dem verschlafenen Süden macht der "Fortschritt" nicht halt. In Dawei, Heimatstadt meiner Frau, sah man im vergangenen Jahr schon deutlich mehr Autos und Motorräder, zahlreiche großformatige Reklameschilder für westliche Komsumprodukte, Handyläden und Satellitenschüsseln an den Bambushütten. Und ja, ich gebe zu, dass ich meiner Schwiegermutter auch eine gekauft habe, denn der vorhandene Antennenverstärker war kaputt und das TV-Bild verrauscht. Ein Handy hat sie schon länger. Sie hat ein modernes WC anbauen lassen und ihre Küche modernisiert. Sie freut sich auch, dass ihre Hütte jetzt an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen wird. Bei den Nachbarn geht es ähnlich voran.

Soll heißen: Myanmar entwickelt sich nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen. Für uns Touristen mag damit ein Stück "Identität" verloren gehen, aber den (meisten) Menschen geht es besser.

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olepho
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Beiträge: 205
Antwort #2 - 02.09.14 um 14:54:38
 
Hallo ardesign,

das hört sich natürlich gut an, wenn es den einfachen Menschen zugute kommt, auch wenn uns Reisende ein Stück " Abenteuer " verloren geht.
Aber wichtig ist natürlich, dass es den Burmesen gefällt und auch bei Ihnen ein Stück vom Kuchen abfällt.
Meine Anmerkungen bezogen sich auf den von Florian geschriebenen Artikel von seiner Reise durch den Süden. ( Bitte mal lesen, ich finde er hat eine schöne Seite und der Teil über den Süden macht Lust auf den Süden )
Anscheinend gibt es doch auch Menschen, bei denen der Fortschritt des Landes nicht ankommt und die sich eher wieder die alte Zeit zurück wünschen.
Alles in allem muss ich zugeben, wenn ich das alles so höre, gerade wenn man das Land noch anders kennen gelernt hat, wird es wohl voerst die letzte Reise dorthin für mich werden. Ich gönne den Menschen den Fortschritt, sofern er denn auch bei ihnen ankommt. Aber es ist dann wohl leider nicht mehr das Land, welches ich so lieben gelernt habe. Wenn mich jemand über Myanmar gefragt hat, der das Land nicht kennt, habe ich immer gesagt: " Du bist gerade mal 2 Tage da und dieses Land und die Menschen schaffen es, dass du vollkommen " runter kommst ". Dein Kopf ist plötzlich leer, im positiven Sinne. Das Land strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. " Und genau das scheint jetzt so langsam verloren zu gehen  weinend
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octopus
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Beiträge: 318
Antwort #3 - 02.09.14 um 22:29:59
 
Ich habe ganz vergessen zu schreiben, was ich als die schrecklichste Veränderung in Myanmar empfinde: Die Ausbreitung und zunehmende Akzeptanz der anti-moslemischen 969 Bewegung des "Hass" Mönches Wirathu...   Das ist echt traurig. Wobei es sicherlich auch schon vorher diesen Hass auf Moslems bzw. die Angst vor der fortschreitenden Islamisierung gab.

Vor ein paar Wochen gab es sogar in Mandalay - unweit des Hotels, in dem ich im April/Mai abgestiegen bin - schlimme Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Moslems. Und es breitet sich immer weiter aus. Ich sprach lange mit einem jungen Moslem, der in Mandalay Veterinärmedizin studiert. Seine Eltern sind aus Angst vor Übergriffen von Mandalay nach Yangon gezogen und haben dort alles zurück gelassen, was sie sich aufgebaut hatten.

« Zuletzt geändert: 03.09.14 um 21:06:37 von octopus »
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ardesign
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Beiträge: 238
Antwort #4 - 04.09.14 um 09:03:55
 
Der Aufbruch Myanmars in die Moderne ist sicherlich ein schwieriges Thema. Aufzuhalten ist er aber vermutlich nicht. Wenn ich gegenüber meiner Frau manche "Errungenschaft" kritisiere (z. B. Wellblech statt Palmblätter auf den Dächern, Diesel- statt Dampfloks vor den Zügen, Plastik- statt Holzstühle im Haus und auf der Straße vor den Garküchen), kommt schnell der Satz "Myanmar ist kein Museum!". Bedenken muss man auch, dass sich zumindest ältere Menschen in den Städten noch an das vergleichsweise geordnete und nach damaligen Maßstäben moderne Leben der Kolonialzeit - oder an die Reste davon - erinnern können. Viele jüngere waren schon in Thailand kennen die dortige Entwicklung. In Myanmar wird heute vielerorts ein ähnlicher Nachholbedarf empfunden wie in der DDR kurz nach der Wende.

Ich persönlich finde es spannend, das Land in seinem derzeitigen Entwicklungsprozess zu bereisen und zu beobachten. Meinen Beitrag sehe ich darin, im Kreis der Familie meiner Frau meine Wertschätzung gegenüber den Traditionen des Landes und seiner Menschen auszudrücken und zu vermitteln, dass ich auch als Europäer einen älteren Gebrauchtwagen fahre, nicht jedes halbe Jahr ein neues Smartphone benötige und nur ausnahmsweise Fastfood esse.

Die Seite von Florian habe ich mit Interesse angeschaut. Die Bilder sind wirklich sehr schön und authentisch. An den gezeigten im Bau befindlichen  Straßen kann man den Erneuerungsprozess Myanmars übrigens auch gut erkennen.

Zum Glück gibt es im Süden Myanmars offenbar noch keine ausgeprägten Ressentiments gegenüber der muslimischen Minderheit, obwohl in Dawei durchaus nach muslimischer Tradition gekleidete Menschen anzutreffen sind. Kritische Untertöne gegenüber Moslems hört man dennoch. Ihnen wird Abschottung und mangelnde Integrationsbereitschaft nachgesagt, außerdem soll ihr Anteil an der Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen sein. Wenngleich diese Vorurteile gegenüber Moslems auch an anderen Orten bestehen, sind das sicher keine guten Vorzeichen für ein harmonisches Miteinander. Es bleibt zu hoffen, dass der politische und gesellschaftliche Fortschritt alle ethnischen und religiösen Gruppen erfasst.
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octopus
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Beiträge: 318
Antwort #5 - 04.09.14 um 11:27:19
 
Es ist schon wahr... vielleicht wünchen sich viele Touristen, die das Land schon länger kennen, die "gute, alte Zeit" zurück, vergessen aber manchmal unter welchen Repressionen die Menschen zu leiden hatten.

Es war spannend und wenn wir bestimmte Bücher oder andere verbotene Dinge eingeschmusggelt haben, auch für uns ein wenig gefährlich - ähnlich wie die früheren Besuche in der DDR. Aber wir hatten das Glück nach dem Urlaub wieder in unser altes"freiheitliches" Leben zurück kehren zu können. Die Locals mussten bleiben und konnten nur auf bessere Zeiten hoffen. Ich werde nie vergessen, wie mich mein burmesischer Freund im Juni 2011 nach meiner Einschätzung gefragt hat, wann in seinem Land mit einem demokratischen Wandel zu rechnen sei. Er schrieb mir: "The progress in Myanmar might be slow. But we are patient enough." Als ich im Dezember 2011 wieder nach Myanmar flog, wurden schon überall T-Shirts von Aung san suu kyi verkauft und die Hotelpreise hatten spürbar angezogen.

Und dann ging es rasend schnell weiter... Nicht nur für uns Touristen ist alles teurer geworden, für die Bevölkerung auch - und zwar unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu dem Einkommen, was sich nur minimal verbessert hat. Schon Ende 2012 sagte mir mein Freund, dass die Lebenshaltungskosten in Yangon explodiert seien. Jetzt sind die Mieten derart hoch, dass viele Familien an den Stadtrand ziehen müssen.

Für meinen Freund hat sich doch einiges positiv verändert, macht mir aber noch einmal deutlich wie unglaublich schnell alles gegangen ist. Er arbeitet nun als Interpreter für z.B. die worldbank oder die UN, aber hauptsächlich als guide für eine angesehene Travelagentur. Sein Einkommen als guide liegt bei 35 US$ pro Tag und da er oftmals sehr wohlhabene (Schweizer) Klienten hat, bekommt er auch schon mal 100 US$ Trinkgeld pro Tag. Als er mir das erzählt hat, ist mir die Kinnlade runtergeklappt... 2011 ist er mit 50 US$ im Monat ausgekommen!

Als er für die UN gearbeitet hat, wurde er mit bis zu 600 US$ pro Tag entlohnt, wohnte in den besten Hotels... Er war aber total entsetzt, weil die UN den Burmesen - meist Bauern - in ihr Quartier bestellte um sie zu befragen, ihnen aber keinen Cent für Ihren Arbeitsausfall bezahlt hat.
Als ich gehört habe, wie solche und andere Organisationen mit Geld umgehen, ist mir übel geworden...

Er erzählte mir von Land-Grabbing, von koreanischen Geschäftsleuten, die mit Geld um sich schmeißen, ihre Angestellten aber einen Hungerlohn bezahlen. Alles nichts Neues, aber dennoch desillusionierend, weil man sich für Myanmar was Besseres erhofft hat. Schließlich gab es da doch genügend gebildete und mutige Menschen, die sich jahrzehntelang nicht brechen ließen und die irgendwie eine Vision zu haben schienen...

Was ich damit sagen will - ich habe das Gefühl, dass die Schere zwischen arm und reich immer größer wird. Es hat schon lange ein Ausverkauf des Landes begonnen, der vielen Leuten sehr viel Geld, den meisten Locals aber nichts Gutes bringt.

Für die Reichen existieren offenbar keine Regeln, keine Vorgaben..Und niemand gebietet diesem Treiben Einhalt - auch bzw. erst recht nicht die frühere Ikone Aung San Suu Kyi...

Zum Thema Umweltverschmutzung: Ich fand es schon 2011 nicht besonders sauber - außer in Bagan flog überall Plastikmüll rum. Aber 2014 war es grauenhaft. Meine Freunde sagten mir, dass Umweltbewusstsein kein bisschen ausgeprägt ist. Früher wäre alles in natürliche Materialien eingepackt worden. Man hat es also einfach weg geschmissen und es verottete. Nun wird das mit Plastik - und anderen Müll genauso gemacht.
« Zuletzt geändert: 05.09.14 um 07:23:10 von octopus »
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olepho
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Antwort #6 - 04.09.14 um 23:45:24
 
Im Gegensatz zu euch habe ich weder Freunde, noch Verwandte in Burma, daher kann ich mich nur über Berichte im Internet informieren, oder eben hier, wie schnell sich alles verändert. Trotzdem komme ich zum gleichen Schluss, viele Menschen aus der ärmeren Bevölkerung profitieren leider nicht vom Wandel in Myanmar.
Was ich alles so lese und von euch höre, erschreckt mich immer mehr. Für den Bau des Tiefseehafens in Dawei sind wieder einmal viele hunderte Familien ihres Landes beraubt worden und wurden zwangsumsiedelt.
Erschreckend finde ich auch, das es nach außen hin so propagiert wird, als wäre jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen in Myanmar. Dabei habe ich eher das Gefühl, das Land wird jetzt durch die Reichen erst richtig verramscht. Schade um das Land, schade für die Menschen. So werden auch sie ganz schnell ihre Gelassenheit und Gutmütigkeit verlieren und ich befürchte, wir werden das Land in ein paar Jahren nicht wieder erkennen.

Unser nächster Reiseplan steht jetzt fest.
Solange noch etwas vom " alten " Myanmar vorhanden ist, möchten wir gerne etwas den Süden kennen lernen.
Da ja jetzt einige Grenzen über Land offen sind, werden wir bei Tachileik einreisen und zum 2. mal ein paar Tage in Kyaung Thong verbringen.
Dann geht es mit dem Flieger nach Yangon.
Von dort aus soll es dann in den Süden gehen, Moulmein, Ye, Dawei.
Wir wollen, auch wenn es beschwerlich ist, soweit machbar, die meisten Strecken mit dem Zug machen.
Da mich Myeik nach allem was ich gelesen habe und auf Fotos gesehen habe nicht so reizt, werden wir dann, auch aus Zeitgründen, nach Kawthong fliegen. Da mein Mann nächstes Jahr einen runden Geburtstag hat, gibt es vielleicht als Überraschungs-Geschenk eine 3 oder 4 tägige Fahrt auf der Mergui Princess.
Danach sind noch 3-4 Tage auf Koh Phayam angedacht.
@ardesign
Da du dich insbesondere in Dawei ja etwas auskennst, vielleicht hast du ja noch ein paar Tipps für mich ?

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ardesign
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Antwort #7 - 05.09.14 um 06:03:12
 
Der Bau des Tiefseehafens nordwestlich von Dawei ruht seit geraumer Zeit, da dem thailändischen Investor die Puste ausgegangen ist. Lokale Behörden und die myanmarische Regierung bemühen sich seit Längerem um finanzielle Unterstützung aus Japan, bisher aber ohne Erfolg. Richtig ist, dass zahlreiche Dörfer beseitigt und die Bewohner zu unfairen Konditionen zwangsumgesiedelt wurden.

Auch in Dawei selbst gibt es Streitigkeiten wegen geplanter Bauprojekte. Einige Bauern wollen für ihre Reisfelder mehr Geld, als die privat-öffentlichen Entwicklungsgesellschaften zu zahlen bereit sind. In anderen Fällen sind Eigentumsfragen ungeklärt.

Wegen des stagnierenden Hafenprojekts hat sich der sprunghafte Anstieg von Grundstücks- und Immobilienpreisen zurzeit verlangsamt. Viele innerstädtische Bauten waren bereits vor dem politischen Wandel von Chinesen, Japanern und Koreanern erworben worden.

Wie beschrieben, verbessert sich die öffentlische Infrastruktur merklich, was den Bewohnern in der Stadt erkennbar zugute kommt. Auch in den stadtnahen Dörfern geht es voran. Auf dem Land geschieht weniger.

Olepho: Was möchtest du denn über Dawei wissen?
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