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Reiseeindrücke und Erfahrungen mit Behörden (Gelesen: 13904 mal)
ardesign
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11.09.11 um 13:30:41
 
Mingalaba,
ich bin letzte Woche von meiner ersten kurzen Myanmar-Reise nach Bangkok zurückgekehrt und nun wieder in Deutschland. Ich war sechs Tage mit meiner burmesischen Freundin, die in Bangkok lebt, im Großraum Yangon unterwegs.

Zugegebenermaßen habe ich mich nicht auf den ersten Blick in dieses Land verliebt. Die deutlich erkennbare Armut, völlig heruntergewirtschaftete historische Gebäude und öffentliche Infrastruktur sowie der in der Regenzeit besonders auffällige allgegenwärtige Dreck lassen sich einfach nicht wegdiskutieren. Yangon hat überall den "Charme" der früheren DDR, die auch nicht mein bevorzugtes Urlaubsziel war... Das Umland strahlt sicher eher tropische Exotik aus, aber die Armut der Bevölkerung lässt sich auch dort nicht leugnen.

Ich werde im kommenden Januar erneut nach Myanmar reisen, unter anderem an den Geburtsort meiner Freundin, Dawei im Süden des Landes. Ich bin gespannt, ob ich dort andere - bessere - Eindrücke gewinnen werde.

Erfreulich waren für mich dagegen zahlreiche Kontakte mit Einheimischen. Die Burmesen haben offenbar nicht die sprichwörtliche Freundlichkeit der Thais, sondern eine eher europäischen - wenn nicht gar deutschen - Gepflogenheiten ähnelnde Mentalität. Das gilt scheinbar auch für öffentliche Stellen, obwohl diesen ja ein auch durch Medienberichte gestützter schlechter Ruf vorauseilt.

Einige Beispiele.

Myanmarische Botschaft in Bangkok: Bei der Visumbeantragung verhielten sich die Beamten korrekt und ausgesprochen höflich. Ich wurde ungefragt auf die Regelungen zur Bearbeitungsfrist hingewiesen, um ggf. Kosten einsparen zu können.

Immigration am Flughafen: Bei der Passkontrolle freuten sich die Damen über mein "Mingalaba" und brachten mir geduldig das Wort für "Danke" bei (dessen Wiedergabe mir hier schwerfällt, ich habe es mir aber gemerkt).

Bahn: Für die Fahrt mit dem Circular Train wurde ein Dollar verlangt. Da ich keinen hatte, wechelte der Beamte privat Kyat zum korrekten  Tageskurs. Wegen der entstehenden Rundungsungenauigkeit zu seinen Gunsten ließ er meine Freundin umsonst mitfahren.

Polizei: Nachdem wir leider Familiendokumente meiner Freundin im Taxi vergessen hatte, meldeten wir den Verlust auf einer Polizeiwache. Die Beamten handelten ein wenig umständlich, aber professionell, und fertigten eine Verlustmeldung zur Vorlage bei der zuständigen Kommunalbehörde. Sie informierten meine Freundin freundlich und ausführlich zum weiteren Vorgehen und nahmen ein "Trinkgeld" von 200 Kyat nur zögernd an.

National Museum: Die Wachleute erlaubten gern, Portraitfotos vor den im Garten aufgestellten Statuen verschiedener Könige und Feldherren zu machen. Meine die Statuen imitierenden Posen waren für sie eine Mordsgaudi.

Besonders schön war, dass wir unsere Papiere nach drei Tagen zurück erhielten. Der Taxifahrer hatte unser Hotel herausgefunden und dort eine Nachricht hinterlassen. Etwas später saßen wir in seiner Privatwohnung in einem Vorortwohnblock bei einer Tasse Tee, und er berichtete stolz von seiner aufwändigen Recherche bei der Suche nach unserem Aufenthalt. MIt 10.000 Kyat (10 EUR) Finderlohn schien er hochzufrieden. Toll!

Nach diesen positiven Erlebnissen fällt es mir leicht, über manche eher fragliche Verhaltensweisen der Burmesen (Verbale Lautstärke, ständiges Ausspeien von rot gefärbtem Speichel nach Betel-Genuss, rücksichtsloser Fahrstil) lächelnd hinwegzusehen!

Gruß, Jan
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big4
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Antwort #1 - 11.09.11 um 15:02:03
 
Hi Jan,
die Tatsache, dass du deine Freundin in BKK kennengelernt hast, ist nichts ungewöhnliches. Du musst nur aufpassen (falls du Greenhorn bist, also Anfänger) dass genau dies nicht die Absicht der Freundin war. Dies ist nicht schlimm, aber immer zu berücksichtigen.
Der Umstand, das du mit ihr in Yangon warst in der Öffentlichkeit, ist schon mutig, weil es ja einem Schaulaufen auf dem ROTEN TEPPICH gleicht, wenn ein FOREIGNER mit einer Burmesin tagsüber sich in der Öffentlichket zeigt.
Hat dich das nie gestört??? Die Leute reagieren dort total anders, als in Thailand.

Dein geplanter Besuch im Dorf der Freundin, wird, wenn es eine NO GO TOURIST AREA ist, Fragen aufwerfen. Deine Freundin bzw ihre Famile wird in den Focus der Polizei geraten und recherchen aus Nyipidaw hervorrufen. So ,meine Erfahrung!!!

Alles andere, was du schreibst, auch mit Behörden, ist normal.
Gruß
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kweli
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Antwort #2 - 11.09.11 um 15:20:49
 
big4 schrieb am 11.09.11 um 15:02:03:
Der Umstand, das du mit ihr in Yangon warst in der Öffentlichkeit, ist schon mutig, weil es ja einem Schaulaufen auf dem ROTEN TEPPICH gleicht, wenn ein FOREIGNER mit einer Burmesin tagsüber sich in der Öffentlichket zeigt.
Hat dich das nie gestört??? Die Leute reagieren dort total anders, als in Thailand.


naja ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht... woher sollen die leute auch wissen ob die burmesin nicht vllt guide oder sonstwas ist... ich spreche aus erfahrung mittlerweile merke ich gar nicht mehr das sich die leute in myanmar für mich und meine freundin (selber kachin) interessieren... gilt natürlich nur wenn man sich normal verhält und die lokalen traditionen und verhaltensweisen respektiert...

und wenn wir mit jemand ins gespräch kommen dann denken die meisten sie ist guide...und das obwohl wir beide erst anfang 20 sind.

Probleme hat sie oder ihre Familie deshalb auch nicht, wir hatten zwar manchmal Geheimpolizei-Leute in zivilen Klamotten hinter uns aber die haben es auch nach ein paar mal sein gelassen. Klar wissen die Behörden bescheid aber interessieren tut es keinen. Was natürlich nur meine Erfahrung ist, kann natürlich auch anders laufen. Aber ist sicher falsch zu sagen das generell jede burmesin und ihre familie probleme hat nur weil sie im kontakt mit ausländern ist.

deine erfahrung mit behörden ist auch eher zufällig... gibt genug beispiele wo man stundenlang diskutieren muss wenn man z.b bahn fährt und aber keine passenden dollar hat und die bahnhofmitarbeiter kein wechselgeld habe etc....

bürokratie ist schlimmer als in Thailand und gründlichkeit? richtig ist aber das burmesen gerade wie dein beispiel in yangon zeigt generell freundlicher zu ausländern sind als thais..das zeigt sich dann eben auch bei behörden/polizei/soldaten etc




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ardesign
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Antwort #3 - 11.09.11 um 15:40:53
 
kweli schrieb am 11.09.11 um 15:20:49:
naja ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht... woher sollen die leute auch wissen ob die burmesin nicht vllt guide oder sonstwas ist... ich spreche aus erfahrung mittlerweile merke ich gar nicht mehr das sich die leute in myanmar für mich und meine freundin (selber kachin) interessieren... gilt natürlich nur wenn man sich normal verhält und die lokalen traditionen und verhaltensweisen respektiert...

und wenn wir mit jemand ins gespräch kommen dann denken die meisten sie ist guide...und das obwohl wir beide erst anfang 20 sind.


Genau, kweli. Wir sind zwar beide deutlich älter als ihr (besonders ich), aber einmal wurde auch meine Freundin auf ihre vermeintliche Rolle als "guide" angesprochen: Ein älterer Mann herrschte sie im Mahabandoola Garden an, dass es doch unhöflich sei, mir beim Fotografieren nicht Schirm und Einkaufstüte abzunehmen... Ansonsten haben wir uns völlig unbehelligt gefühlt, obwohl ich schon aus Neugier durchaus nach möglichen Spitzeln Ausschau gehalten habe.

Gruß
Jan
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kweli
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Antwort #4 - 11.09.11 um 16:06:41
 
ardesign schrieb am 11.09.11 um 15:40:53:


Genau, kweli. Wir sind zwar beide deutlich älter als ihr (besonders ich), aber einmal wurde auch meine Freundin auf ihre vermeintliche Rolle als "guide" angesprochen: Ein älterer Mann herrschte sie im Mahabandoola Garden an, dass es doch unhöflich sei, mir beim Fotografieren nicht Schirm und Einkaufstüte abzunehmen... Ansonsten haben wir uns völlig unbehelligt gefühlt, obwohl ich schon aus Neugier durchaus nach möglichen Spitzeln Ausschau gehalten habe.

Gruß
Jan


Glaub ich gerne das ihr euch in Yangon unbehelligt gefühlt habt... Ich denke auch nicht dass die Leute in Myanmar einer Beziehung zw. Ausländer und Burmese/Burmesin skeptischer gegenüberstehen als in Thailand.

Meine Erfahrung ist es eigentlich das man im Normalfall in Myanmar keine Probleme mit den Behörden hat wenn die wissen das man keine Gefahr darstellt (besser gesagt das man kein Journalist ist, oder politischer "Aktivist").

Wenn man also meint bei ASSK´s Haus oder NLD-Büros umherzulaufen dann wird das mehr unangenehme Folgen haben als irgendwo mit einer Burmesin unterwegs zu sein.  (v.a. in Yangon)

Mal bezüglich dazu das dir Yangon nicht so sehr gefallen hat.. das geht glaube ich sehr vielen Leuten so. Gerade wenn man das erstemal in Myanmar ist. Das was ich an Myanmar am meisten mag ist erst richtig in kleineren bzw. mittleren Städten bzw auf dem Lande zu finden. Gilt natürlich nur wenn du auf internatione Hotels/Essen verzichten kannst.

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ardesign
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Antwort #5 - 11.09.11 um 22:19:27
 
kweli schrieb am 11.09.11 um 16:06:41:
Glaub ich gerne das ihr euch in Yangon unbehelligt gefühlt habt... Ich denke auch nicht dass die Leute in Myanmar einer Beziehung zw. Ausländer und Burmese/Burmesin skeptischer gegenüberstehen als in Thailand.

Meine Erfahrung ist es eigentlich das man im Normalfall in Myanmar keine Probleme mit den Behörden hat wenn die wissen das man keine Gefahr darstellt (besser gesagt das man kein Journalist ist, oder politischer "Aktivist").

Wenn man also meint bei ASSK´s Haus oder NLD-Büros umherzulaufen dann wird das mehr unangenehme Folgen haben als irgendwo mit einer Burmesin unterwegs zu sein.  (v.a. in Yangon)

Mal bezüglich dazu das dir Yangon nicht so sehr gefallen hat.. das geht glaube ich sehr vielen Leuten so. Gerade wenn man das erstemal in Myanmar ist. Das was ich an Myanmar am meisten mag ist erst richtig in kleineren bzw. mittleren Städten bzw auf dem Lande zu finden. Gilt natürlich nur wenn du auf internatione Hotels/Essen verzichten kannst.



kweli: Selbstverständlich habe ich mich in Myanmar genauso an übliche Verhaltensregeln gehalten, wie ich es auch in anderen Ländern zu tun pflege. Wegen meines Aussehens bin ich natürlich trotzdem vielen Burmesen aufgefallen und auch gelegentlich angesprochen worden. Ich habe dann stets versucht, nicht das Klischee vom reichen "foreigner" zu bedienen. Auf die Frage nach dem Preis meiner Kamera habe ich z. B. geantwortet, dass es ein älteres Modell sei, ich sie gebraucht erworben habe und mich an den Preis nicht mehr genau erinnern könnte (was im Übrigen auch nicht gelogen ist).

Am Haus von ASSK sind wir zumindest langsam vorbeigefahren, aber wegen der hohen Mauer sieht man ja nicht viel. Der Taxifahrer versicherte uns aber, dass sie gerade zu Hause sei. Wir haben vielfach die nach wie vor große Verehrung für ASSK erfahren können.

Ich freue mich auf Dawei im Januar. Das ist ja eine kleinere Stadt, und der nahegelegene Strand von Maungmagan soll Bacardi-Qualitäten haben. Das sagt meine Freundin, und Fotos im Internet bestätigen es!

Ich habe übrigens (auf privaten Reisen) noch nie in einem "internationalen" Hotel übernachtet, sondern stets in einfacheren, landestypischen Unterkünften - oder im Zelt. Und klimatisierte Sternerestaurants meide ich ebenso wie Fastfood-Filialen.

Gruß
Jan

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buecherwurm88
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Antwort #6 - 13.09.11 um 20:02:43
 
Hi @ll.

Bei mehreren Rundreisen in Myanmar hatte ich des öfteren auch weibliche Guides. Diese waren aber "immer" sehr darauf bedacht, dass ihr amtlicher Guide-Pass auf den ersten Blick schön sichtbar war.
Von Bespitzelung durch irgendwelche Personen habe ich nie etwas bemerkt. Wir haben uns aber auch immer korrekt verhalten. Öfters zusammen gegessen, ( da ist die Bestellung eben einfacher !! ) aber das war es dann auch schon......

Grüße aus dem Rheinland
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ulli
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Antwort #7 - 15.09.11 um 13:28:22
 
Hallo,
in öffentlichen Einrichtungen oder bei Bahn-,Busticketschaltern etc. wird man als Foreigner ausgesucht zuvorkommend behandelt, häufig erhält man Vorzugsbehandlung gegenüber den Einheimischen, wird z.B bei
Tickets an der Schlange vorbei in separatem Raum bedient, bekommt bevorzugte Sitzplätze usw. Dabei gilt: Je weniger Touristen, um so größer das Entgegenkommen. Diese Freundlichkeit ist einer der Gründe warum ich bisher 5 Mal in Myanmar war, und abgelegenere Ziele bevorzuge.
Mal schaun, wie es dieses Jahr in Laos im Vergleich dazu sein wird.

In kleineren Städten kann es Überwachung geben, liegt m.E. einfach daran, dass sich die Behörden fragen, was man dort wohl verloren hat.
Bei der Unterkunft wird der Pass kopiert und das Woher und Wohin abgefragt.
In Shwebo saß ich abends im Restaurant, am Nachbartisch 3 Männer
in typischer 'Geheimagentenmontur', heißt: dunkle Kunstlederjacke,
Hose mit Bügelfalten, gute Frisur, Handy. Mein Name fiel, der Name der
Unterkunft, des vorherigen Ortes und des nächsten Reiseziels. Ich habe die Leute freundlich angelächelt und das wars dann auch. Nur einmal in Katha wurde ich gebeten auf Fotos zu verzichten, als ich am Fluß den Umschlag von Teakholz fotografieren wollte. Wahrscheinlich illegal ge-
schlagenes Holz.
Ansonsten ist die allgemeine Freundlichkeit selbstlos und teilweise
überwältigend.
Gruß
Ulli

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kweli
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Antwort #8 - 15.09.11 um 14:27:29
 
buecherwurm88 schrieb am 13.09.11 um 20:02:43:
Hi @ll.

Bei mehreren Rundreisen in Myanmar hatte ich des öfteren auch weibliche Guides. Diese waren aber "immer" sehr darauf bedacht, dass ihr amtlicher Guide-Pass auf den ersten Blick schön sichtbar war.
Von Bespitzelung durch irgendwelche Personen habe ich nie etwas bemerkt. Wir haben uns aber auch immer korrekt verhalten. Öfters zusammen gegessen, ( da ist die Bestellung eben einfacher !! ) aber das war es dann auch schon......

Grüße aus dem Rheinland


Was soll da auch sonst sein ? hä?

Und ich würde mal vermuten das der Guide-Pass dementsprechend angebracht ist damit Behörden, etc. ihr keine Probleme machen.

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kweli
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Antwort #9 - 15.09.11 um 15:50:13
 
buecherwurm88 schrieb am 13.09.11 um 20:02:43:
Hi @ll.

Bei mehreren Rundreisen in Myanmar hatte ich des öfteren auch weibliche Guides. Diese waren aber "immer" sehr darauf bedacht, dass ihr amtlicher Guide-Pass auf den ersten Blick schön sichtbar war.
Von Bespitzelung durch irgendwelche Personen habe ich nie etwas bemerkt. Wir haben uns aber auch immer korrekt verhalten. Öfters zusammen gegessen, ( da ist die Bestellung eben einfacher !! ) aber das war es dann auch schon......

Grüße aus dem Rheinland


Was soll da auch sonst sein ? hä?

Und ich würde mal vermuten das der Guide-Pass dementsprechend angebracht ist damit Behörden, etc. ihr keine Probleme machen.

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HaPeRieger
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Antwort #10 - 16.09.11 um 07:32:22
 
Hallo Jan,

ich denke, das was Du dort erlebt hast wird gemeinhin als "Kulturschock" bezeichnet und der hat fast immer eine unzureichende Vorbereitung der Reise als Ursache. Myanmar ist nach Laos das zweitärmste Land in der Region. Was genau hast Du denn erwartet? Prachtstrassen mit Gucci- und Louis Vuitton-Läden? Die Militärs haben das Land in 50 Jahren in Grund und Boden gewirtschaftet. Der Durchschnittsverdienst liegt unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1 Dollar pro Tag. Über die Zustände im Armenhaus Südostasiens hätte man sich vorher informieren können.

Ebenso etwas sauer aufgestoßen ist mir, dass Du mit Deinem europäischen Verständnis die eine oder ander Gepflogenheiten des Landes als "fragwürdig" bezeichnest. Die Betelnuss ist ein Problem in der Region, aber ein nicht wirklich größeres Problem als der gesellschaftliche akzeptierte Drogengenuss (Alkohol, Nikotin) bei uns. Und: Wer die Fahrweise in Myanmar als rücksichtslos bezeichnet, hat sie nicht verstanden. Ich habe die Fahrweise in Myanmar als außerordentlich rücksichtvoll erlebt, wobei dort die Vorfahrtsregeln eben anders und ungeschrieben sind. Wer sie berücksichtigt kann sich auch als Fußgänger im dichtesten Verkehr sicher bewegen. Die deutsche hier-bin-ich-und-hier-bleibe-ich Mentalität empfinde ich als sehr viel rücksichtsloser.

Viele Grüße
HaPe
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kweli
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Antwort #11 - 16.09.11 um 14:40:43
 
HaPeRieger schrieb am 16.09.11 um 07:32:22:
Hallo Jan,

ich denke, das was Du dort erlebt hast wird gemeinhin als "Kulturschock" bezeichnet und der hat fast immer eine unzureichende Vorbereitung der Reise als Ursache. Myanmar ist nach Laos das zweitärmste Land in der Region. Was genau hast Du denn erwartet? Prachtstrassen mit Gucci- und Louis Vuitton-Läden? Die Militärs haben das Land in 50 Jahren in Grund und Boden gewirtschaftet. Der Durchschnittsverdienst liegt unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1 Dollar pro Tag. Über die Zustände im Armenhaus Südostasiens hätte man sich vorher informieren können.

Ebenso etwas sauer aufgestoßen ist mir, dass Du mit Deinem europäischen Verständnis die eine oder ander Gepflogenheiten des Landes als "fragwürdig" bezeichnest. Die Betelnuss ist ein Problem in der Region, aber ein nicht wirklich größeres Problem als der gesellschaftliche akzeptierte Drogengenuss (Alkohol, Nikotin) bei uns. Und: Wer die Fahrweise in Myanmar als rücksichtslos bezeichnet, hat sie nicht verstanden. Ich habe die Fahrweise in Myanmar als außerordentlich rücksichtvoll erlebt, wobei dort die Vorfahrtsregeln eben anders und ungeschrieben sind. Wer sie berücksichtigt kann sich auch als Fußgänger im dichtesten Verkehr sicher bewegen. Die deutsche hier-bin-ich-und-hier-bleibe-ich Mentalität empfinde ich als sehr viel rücksichtsloser.

Viele Grüße
HaPe


Der Verkehr ist eben nicht mit unserem zu vergleichen. Als allgemein rücksichtsvoll würde ich den Verkehr nicht beschreiben, die Leute in Myanmar finden das ja oft auch ne Frechheit wie manch einer fährt.

Ansonsten hast du aber recht, man kann sich relativ sicher im Verkehr bewegen und es gibt mehr Toleranz als im Deutschen Verkehr (den ich persönlich als eine wirkliche Zumutung empfinde).
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ardesign
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Antwort #12 - 16.09.11 um 15:18:40
 
HaPeRieger schrieb am 16.09.11 um 07:32:22:
Hallo Jan,

ich denke, das was Du dort erlebt hast wird gemeinhin als "Kulturschock" bezeichnet und der hat fast immer eine unzureichende Vorbereitung der Reise als Ursache. Myanmar ist nach Laos das zweitärmste Land in der Region. Was genau hast Du denn erwartet? Prachtstrassen mit Gucci- und Louis Vuitton-Läden? Die Militärs haben das Land in 50 Jahren in Grund und Boden gewirtschaftet. Der Durchschnittsverdienst liegt unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1 Dollar pro Tag. Über die Zustände im Armenhaus Südostasiens hätte man sich vorher informieren können.

Ebenso etwas sauer aufgestoßen ist mir, dass Du mit Deinem europäischen Verständnis die eine oder ander Gepflogenheiten des Landes als "fragwürdig" bezeichnest. Die Betelnuss ist ein Problem in der Region, aber ein nicht wirklich größeres Problem als der gesellschaftliche akzeptierte Drogengenuss (Alkohol, Nikotin) bei uns. Und: Wer die Fahrweise in Myanmar als rücksichtslos bezeichnet, hat sie nicht verstanden. Ich habe die Fahrweise in Myanmar als außerordentlich rücksichtvoll erlebt, wobei dort die Vorfahrtsregeln eben anders und ungeschrieben sind. Wer sie berücksichtigt kann sich auch als Fußgänger im dichtesten Verkehr sicher bewegen. Die deutsche hier-bin-ich-und-hier-bleibe-ich Mentalität empfinde ich als sehr viel rücksichtsloser.

Viele Grüße
HaPe


Holla, da fühlt sich aber jemand auf den Schlips (oder den Longyi?) getreten! Ich denke, dass ich da einiges richtig stellen sollte.

Auf die Unterstellung, ich hätte mich auf meine Reise nach Yangon nicht vorbereitet, hättest du nach der Lektüre meiner sonstigen Beiträge in diesem Forum vermutlich verzichtet. Nicht nur durch ausführliche Darstellungen meiner burmesischen Freundin, sondern auch durch eigene Recherchen bin ich gut informiert nach Yangon geflogen. Auch ein "Kulturschock" hat sich bei mir wohl nicht eingestellt, da ich durchaus Fernreiseerfahrung besitze (u. a. Thailand, Madagaskar). Schockiert hat mich nicht die Arnut der Menschen, sondern der heruntergewirtschaftete Zustand von Yangon, das einstmals eine wunderschöne Stadt gewesen sein muss. Wir sind uns offenbar darüber einig, dass die militärischen Polit-Amateure diesen tragischen Niedergang zu vertreten haben. Ähnliche Zustände sind mir nur aus der ehemaligen DDR erinnerlich, die ich in der letzten Phase ihrer Existenz häufig beruflich bereist habe.

Über meine Reisegewohnheiten habe ich bereits geschrieben - ich bin alles andere als ein Pauschaltouri. Daher lasse ich deine vermuteten Reiseerwartungen lieber unkommentiert.

Ebenso unangebracht finde ich es, mir bei der Kritik an burmeischen Gepflogenheiten "europäisches Verständnis" zu unterstellen. Wenn ich das Ausspeien von blutrotem Speichel kritisere (was du im Übrigen bestätigst), akzeptiere ich damit nicht gleichzeitig den "Genuss" von Alkohol und Nikotin. Ganz im Gegenteil - ich selbst rauche nicht und trinke nur selten Alkohol.

Als Pkw- und Motorradfahrer möchte ich auch die Behauptung zurückweisen, die Fahrweise in Myanmar (jedenfalls in Yangon) "nicht verstanden" zu haben. Es ist nun mal eine Tatsache, dass Autofahrer in Yangon selbst im Regen an Zebrastreifen und an Grundstücksausfahrten keinerlei Rücksicht auf Fußgänger nehmen, auch nicht auf einheimische. Sicher fühlen kann man sich dort wohl nur, wenn man selten Straßen überquert und dem Autoverkehr allgemein aus dem Wege geht. Dass in manchen anderen Ländern (z. B. im EU-Land Frankreich) oder hierzulande von bestimmten Schichten (z. B. im tiefergelegten "Drreier Bäh-Ämm-Wäh") ähnlich gefahren wird, macht diesen Fahrstil nicht akzeptabler.

Als Ausfluss einer romantisch verklärten Begeisterung für das Reiseland Myanmar kann ich den Tenor deiner Antwort durchaus verstehen - vielleicht stellt sich diese Haltung ja auch bei mir noch ein, wenn ich im kommenden Winter den ländlichen Süden des Landes bereisen werde. Für meine eher sachlich geprägten Äußerungen über Yangon erwarte ich allerdings ebenso Verständnis.

Einig sind wir uns sicher über das positive Bild der Menschen in Myanmar, das ich in meinem Beitrag beispielhaft dargestellt habe.

Gruß, Jan
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HaPeRieger
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Antwort #13 - 16.09.11 um 17:24:56
 
Hallo Jan,

ardesign schrieb am 16.09.11 um 15:18:40:
Einig sind wir uns sicher über das positive Bild der Menschen in Myanmar, das ich in meinem Beitrag beispielhaft dargestellt habe.

da sind wir uns in der Tat einig. Ansonsten sehe ich auch durch Deinen Klarstellungsversuch noch keine wirkliche Annäherung der Standpunkte und ich finde meinen Beitrag eher noch bestätigt.

Für weitere Diskussionen stehe ich gerne per PN zur Verfügung. Ich denke, das Forum ist in diesem Fall nicht der richtige Platz.

Viele Grüße
HaPe
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ardesign
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Antwort #14 - 16.09.11 um 19:20:15
 
HaPeRieger schrieb am 16.09.11 um 17:24:56:
Ansonsten sehe ich auch durch Deinen Klarstellungsversuch noch keine wirkliche Annäherung der Standpunkte und ich finde meinen Beitrag eher noch bestätigt.

Für weitere Diskussionen stehe ich gerne per PN zur Verfügung. Ich denke, das Forum ist in diesem Fall nicht der richtige Platz.

Viele Grüße
HaPe


Sorry, ich möchte mit dir gar nicht über meinen Standpunkt zum Reiseziel Myanmar diskutieren und auch nicht über deinen. Ich möchte dich nur bitten, meine offenbar von deinen Eindrücken abweichende Meinung zu tolerieren und mir nicht vermutete Haltungen zu unterstellen.

Für andere hier im Forum dürften sowohl deine als auch meine Schilderungen über Myanmar von Interesse sein.

Nochmals ganz deutlich: Ich empfinde deine Äußerungen zu meiner vermeintlich unzureichenden Reisevorbereitung und meinem "europäischen" Standpunkt zu myanmarischen Gepflogenheit als ausgesprochen vermessen. Das darf auch jeder hier im Forum wissen.

Gruß
Jan
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