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Burma bereisen-politisch korrekt??? (Gelesen: 7528 mal)
Bogi
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Beiträge: 8
17.11.10 um 15:03:38
 
Hallo Gemeinde,

meine Freundin und ich sind gerade dabei eine vierwöchige Reise durch Myanmar zu planen. Nachdem die burmesische Bevölkerung bekannterweise einer strengen Militärjunta unterworfen ist, stellt sich uns natürlich die Frage, ob eine Reise durch dieses Land "politisch korrekt" ist? Schließlich unterstützt man durch die getätigten Ausgaben (Flüge, Hotels, Transport etc.) unmittelbar diese Diktatur. Klar kann man als Individualreisender zum Teil selbst bestimmen, in welchen Unterkünften man unterkommt. Bin mir aber sicher, dass es nicht immer ersichtlich ist, wer sich wirklich hinter jedem Guesthouse, Reisebüro, Taxiunternehmen etc. verbirgt.
Viele Regimekritiker, innerhalb Burmas wie z. B. Aung San Suu Kyi oder im Exil lebende, rufen zum Boykott des eigenen Landes auf, von daher bin ich der Meinung, sollte man als Tourist diesen Wunsch nachgehen!

Gleichzeitig kann man der Bevölkerung mit seiner Reise durch dieses wunderschöne und abwechslungsreiche Land signalisieren, dass die Welt Burma und die burmesische Bevölkerung nicht ganz vergessen hat.

Wie seht ihr diesen "Spagat"???

Grüße!
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adi
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Antwort #1 - 17.11.10 um 17:57:26
 
gib mal in der Suchfunktion  "Burma boikott" ein, da gibt es schon sehr viele Beiträge

im 2007 ist der Tourismus infolge der Mönchs/Militärkonfrontation zusammengebrochen, in Folge sind Tausende (vermutlich viel mehr) Existenzen ernsthaft bedroht gewesen.  der Boikott hat vor allem die kleinsten getroffen.... Postkartenhändler, Guides, Fahrer, kleine Restaurants, Hotelangestellte... die Regierung holt ihr Geld eher im grossen Geschäft-Rohstoffe-Korruption-usw. daher geht denen sowas eher leicht den Buckel runter.... den einzelnen Burmesen trifft es ungleich härter.
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kweli
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Antwort #2 - 18.11.10 um 09:14:45
 
Tourismus-Boykott ist genauso quatsch wie die Sanktionen... Selbst Aung San Suu Kyi hat das mittlerweile eingesehen und sagt selber das Tourismus helfen kann.

Ob Hotels staatlich oder privat sind ist leicht zu erkenne da ie Guide-Books wie LP oder Loose nur Unterkünfte empfehlen die nicht dem Staat oder General´s-Familien gehöhren.
Natürlich bezahlen alle Steuern und sonstige Abgaben an den Staat aber der Großteil deines Geldes kommt der normalen Bevölkerung zu gute wenn du es etwas geschickt anstellst.

Busunternehmen sind fast aussschließlich in Privatbesitz, außnahmen werden in den Guidebooks hervorgehoben.
Züge sind staatlich.
Inlandsfluggesellschaften außer Myanma Airways offiziell privat..aber mit guten Verbindungen zur Regierung.
Taxis sind immer Privat..

Was die Sanktionen der westlichen Welt gebracht haben ist offensichtlich..Wirtschaftliche Stagnation und politischer Stillstand. Nicht nur das...auch wird Myanmar dadurch mehr oder weniger gezwungen mit China und Indien zu handeln..Länder die selber immense Menschenrechtsprobleme haben.

Aung San Suu Kyi die früher die Sanktionen unterstützt hat sagt jetzt übrigends auch das es nichts bringt.

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Bogi
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Beiträge: 8
Antwort #3 - 18.11.10 um 11:01:21
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für die aufschlussreichen Infos!
Somit fällt mir die Entscheidung um einiges leichter.
Ich wollte nur mal "hören" was erfahrene Burmakenner bzw. Reisende zu dem Thema sagen.
Bin der Meinung, dass man sich generell im Vorfeld über die Gegebenenheiten in so speziellen Ländern informieren sollte.

Kann mir evtl. jemand zur momentanen Sicherheitslage im Land berichten? Ist es aus der Sicht ratsam, Burma in Januar und Februar zu bereisen?

Grüße!
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kweli
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Antwort #4 - 18.11.10 um 12:18:39
 
"Kann mir evtl. jemand zur momentanen Sicherheitslage im Land berichten? Ist es aus der Sicht ratsam, Burma in Januar und Februar zu bereisen?"

Warum denn nicht? In die Gebiete die nicht sicher sind kannst du als Tourist sowieso nicht kommen.
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Bogi
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Beiträge: 8
Antwort #5 - 18.11.10 um 14:56:24
 
das sicherlich nicht!
aber wie sieht es im Moment in Rangun oder in anderen großstädten aus? finden derzeit igendwelche aufstände oder der gleichen statt?
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kweli
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Antwort #6 - 18.11.10 um 15:15:05
 
Nein gibt keine Aufstände in den Großstädten im Moment..wie es im Jan/Feb aussieht ist natürlich unklar aber glaube die Chance sind gut das es so ruhig ist wie eh und je !!  Zwinkernd

ansonsten gugg immer mal irrawaddy.org .. da erfährst du alles dazu
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Bogi
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Antwort #7 - 18.11.10 um 16:09:44
 
danke für den Link!
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Pascal
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Antwort #8 - 27.11.10 um 20:59:42
 
Mir würde sich die Frage nach der "political correctness" überhaupt nicht stellen. Wenn keine Touristen in das Land fahre, leidet die Zivilbevölkerung, die Militärregierung trifft es überhaupt nicht. Ein Boykott führt nur zu noch mehr Leid. Mehr Gedanken würde ich mir dann schon eher über die Sicherheitslage machen.
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Davidlu
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Antwort #9 - 04.03.12 um 23:00:51
 
Aung San Suu Kyi hat sich schon mehrmals darüber geäussert dass sie absolut kein Problem mit Individualtourismus habe. Mit den organisierten Touren kann sie nicht soviel anfangen. Ich bin wie Pascal der Meinung dass Boycott nichts bringt, schon alleine deswegen weil die in Burma wichtigen Geldgeber, China und Indien diesem Boycott nicht folgen.

Aus einem Spiegel Interview November, 2010
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-75261481.html

SPIEGEL: Früher haben Sie westliche Touristen gebeten, nicht nach Burma zu reisen, sie würden dadurch nur das Regime unterstützen. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Suu Kyi: Mir wurde berichtet, dass die Europäische Union über dieses Thema beraten hat. Sie hat sich gegen Gruppenreisen ausgesprochen, auf denen burmesische Regierungseinrichtungen in Anspruch genommen werden. Individualreisen aber, von denen private Unternehmen profitieren könnten, befürwortet sie. Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit der Europäischen Union darüber zu sprechen. Aber es ist grundsätzlich wichtig, dass Menschen sehen, was in diesem Land wirklich vor sich geht.

lg,david

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Oliver
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Antwort #10 - 04.01.13 um 04:29:47
 
Boom beiseite, aber ich habe den Eindruck, dass sich in Myanmar nicht soo viel geändert hat. Gut, eine ehemals politische Gefangene ist nun im Parlament und die Zensur wurde gelockert. Aber letztlich haben noch immer die gleichen Leute das Sagen im Land. Deswegen verstehe ich nicht, wieso diese ganzen Fragen rund um die politische Korrektheit nun wieder aufgekommen sind.
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GMaucher
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Antwort #11 - 04.01.13 um 08:56:57
 
Hallo Oliver, was willst Du mit deiner Aussage sagen, bereisen oder nicht? Wie ich sehe warst Du 2 Wochen dort.
Mein Eindruck nach 5 Wochen in Myanmar bis Mitte Dez. 12 ist die  Leute sind mehr als in jedem südostasiatischen Nachbarland interessiert an fremden Touristen, suchen den Kontakt, sind hilfsbereit und freundlich. Was sich im Land verändert ist sichtbar die Aufhebung der Pressezensur. Für die armen Leute wird der Wandel nichts bringen. aber das ist bei uns in der BRD auch nicht anders, wenn die Regierung wechselt. Sicher hat man als Individualreisender mehr die Wahl, wo man sein Geld lässt, insofern die Empfehlung von Aung San Suu Kyi Gruppenreisen zu meiden.
Also meine Empfehlung ist unbedingt hinfahren wenn man möchte, die Leute dort wünschen es sich und die "fremde" Öffentlichkeit wird das Land verändern, hoffentlich nicht so wie Thailand mit seinem  S*e*x*tourismus.
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octopus
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Antwort #12 - 04.01.13 um 12:09:47
 
Wir als Touristen sollten aber immer im Kopf behalten, dass der Wandel zur Demokratie, wenn überhaupt, erst am Anfang steht. Wir sehen die Veränderungen, die Lockerung der Zensur und die Hoffnung der Menschen auf mehr Freiheit und Wohlstand. Natürlich erleichert uns auch die Lockerung/Aufhebung der Sanktionen gegen Myanmar unsere Reisen. Wir freuen uns über Nachrichten zum eVisa und ATMs, begrüßen den Bau von Hotels und Guesthouses und können den Tag kaum erwarten, wo wir nicht mehr alles in Bar bezahlen müssen. Wir sollten uns aber hüten, allzu euphorisch zu werden - die Verschärfung des Konflikts mit der ethnischen Minderheit der Kachin in den letzten Tagen und das Elend der muslimischen Rohingyas sprechen eine andere Sprache. Die "fremde" Öffentlichkeit vergisst diese Probleme nur allzu gern angesichts der goldenen Pagoden und freundlichen Menschen auf der "Rennstrecke" zwischen Yangon, Inle Lake, Bagan, Mandalay und Ngapali.

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GMaucher
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Beiträge: 35
Antwort #13 - 04.01.13 um 13:08:57
 
Themen wie der Kachin-Konflikt oder die Vertreibung der muslimischen Rohingyas sind mit den Bürgern Myanmars nicht zu besprechen wegen Tabus und Unwissenheit.
Selbst Aung Suu hat sich dazu nicht geäußert. Aber wer als Tourist sich informieren möchte kann dies tun siehe:
http://www.irrawaddy.org/archives/23100
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octopus
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Beiträge: 318
Antwort #14 - 05.01.13 um 00:32:43
 
@Gmaucher
Mit Verlaub - verstehe Dein Posting nicht. Natürlich meinte ich nun nicht, dass erst mal jeder Touri bei Ankunft mit den "Bürgern Myanmars" über den Kachin Konflikt oder den Genozid an den Rohingyas diskutieren sollte. Aber man sollte sich als Touri vorab nicht nur mit seiner individuellen Reiseroute beschäftigen, sondern auch ein wenig die politische Lage von vor knapp 2 Jahren ( und die aktuelle) im Hinterkopf behalten und sich nicht "einlullen" lassen. Es geht nicht nur um die Konflikte mit den ethnischen Minoriäten, es sitzen auch immer noch politische Gefangene unter unwürdigsten Bedingungen im Knast, es werden immer noch Reisepässe für unliebsame Personen verweigert und und und. Nicht nur viele der ethnischen Minderheiten sondern auch viele Birmanen zweifeln immer noch sehr am Reformwillen der neuen/alten Machthaber.
Im Moment wird Myanmar von einer riesigen Reisewelle überschwemmt - und für viele war der nun beginnende Reformkurs der ausschlagebende Faktor. Und natürlich freuen sich die meisten Burmesen über Reisende - schließlich versprechen sich nicht wenige davon eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Aber es ist und bleibt vorerst noch ein sehr fragiler Demokratieversuch. Unterstützt werden kann er durch neugierige, aufgeklärte, respektvolle Reisende mit einem gesunden Mass an Misstrauen.

Deine Aussage über das Schweigen Aung San Suu Kyis im Zusammenhang mit dem Kachinkonflikt und den Rohingyas verstehe ich noch weniger. Unwissend ist sie nicht - und Tabus in o.g. Angelegenheiten zu überwinden ist eigentlich ihre Aufgabe. Schließlich leitet sie den Parlamentsausschuss für Rechtsstaatlichkeit und Frieden, der sich mit Fragen der Einbindung der ethnischen Minderheiten beschäftigen soll.
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