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Mit dem Fahrrad unterwegs in Myanmar (Gelesen: 2600 mal)
bluebasso
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Beiträge: 5
23.03.07 um 08:01:56
 
Reisezeit: 10.9.06 - 8.10.06

Etappen: Bangkok-Rangoon-Mandalay-Mingun-Sagaing-Amarapura-Mandalay-Kyaukme-Mandalay-Baga
n-Kalaw-Inle Lake-Kalaw-Thazi-Rangoon-Bangkok

Bei Interesse hier ein Link zu Bildern:
http://www.blue-bikes-and-more.de/Bangkok%20_Mandalay_Teil14/Bangkok_Mandalay_T141.html
http://www.blue-bikes-and-more.de/Myanmar_Teil15/Myanmar_Ende_T151.html

Da eine Einreise mit dem Fahrrad nicht möglich war, blieb uns nur der Flug von Bangkok nach Rangoon. In Rangoon verbrachten wir drei Tage zur Eingewöhnung - die Luftfeuchtigkeit war noch höher als in Bangkok und die Temperaturen über 30 Grad. Das Radfahren in Rangoon war chaotisch und gefährlich, da kaum Strassenbeleuchtung, sehr schlechte Strassen überhaupt und viel Verkehr ohne erkennbare Regeln. Wie wir später erfuhren, ist das Radfahren dort für Einheimische nicht erlaubt. Wir blieben von der allgegenwärtigen Polizei aber unbehelligt. Die Touristen bringen schließlich harte Dollar ins Land. Unsere Fahrräder waren die Superstars. Überall bestaunt und umringt. Die Menschen begegneten uns einfach überwältigend freundlich.
Nun ging es an die Aktion Geldtausch! Am Flughafen gab's nur einen grottenschlechten Kurs, bei den Banken ist Tausch nicht möglich (wegen des Embargos), sodass wir es auf dem Schwarzmarkt versuchen mussten. Dort angekommen, wurden wir viel angesprochen, verglichen die Kurse und entschieden uns für einen "Händler", der uns aber nur zur eigentlichen Wechselstube brachte. Wir fanden uns von 3 Männern umgeben, mit denen der Kurs nochmals abgesprochen wurde. Schließlich hatten wir 383.000 kjat (= 300$) entsprechend 383 Scheine zu zählen. Wir schwitzten und brauchten viel Konzentration, weil immerzu geredet wurde. Wir waren fertig mit dem zählen und wollten unsere Dollar übergeben, als das Geschäft doch noch platzte, weil wir nur 20er Scheine hatten und sie 100er Scheine haben wollten. Die ganze Arbeit umsonst! Wir versuchten es erneut bei einem anderen Händler. Schließlich brauchten wir ja Geld. Diesmal ging alles glatt, man liess uns in Ruhe zählen und hatte auch nichts gegen unsere 20er (für einen etwas schlechteren Kurs), aber neu mussten sie sein und das waren unsere. Geschafft!
Natürlich schauten wir uns auch einiges in Rangoon an. Besonders die Shwedagon Pagode beeindruckte uns sehr. Mit Aung hatten wir auch einen tollen Guide, der uns einige Tipps zum Radfahren geben konnte. Zum Dank luden wir ihn zum Essen ein. Typisch burmesisch. Eigentlich hatten wir vor gehabt, den Zug nach Mandalay zu nehmen, der aber leider voll war. So blieb uns nur der Bus über Nacht. Wenn wir gewußt hätten..... 17 Stunden waren wir unterwegs, auf schlechter Strasse, die Fahrräder warm und trocken weniger Meter hinter uns im Bus eingepfercht. An Schlaf war nicht zu denken. Unterwegs eine Polizeikontrolle, alle aussteigen, Passkontrolle, einsteigen, Weiterfahrt...
In Mandalay angekommen brauchten wir erstmal einen Tag Erholung. Wir besichtigten ein sehenswertes Teakholzkloster und abends erklommen wir den Mandalay Hill mit schöner Aussicht. Hier trafen wir einen sehr sympathischen Mönch, mit dem wir uns angeregt unterhielten und dem wir zusagten, ihm unsere Medikamente bei Abreise zuzuschicken.
Weiter ging es mit dem Boot über den Irrawady-Fluss nach Mingun, einer alten Tempelstadt - die Fahrräder natürlich dabei. Vor dort radelten wir über die Dörfer nach Sagaing und erregten unterwegs viel Aufsehen. Sowas passiert hier nicht alle Tage. Von Sagaing aus nahmen wir abends ein Mopedtaxi, um uns in Amarapura den Sonnenuntergang von der berühmten U Bein Brücke anzusehen.
Am nächsten Tag waren wieder einige Tempel dran (Sagaing Hill, Königsstadt Inwa). Zurück ging es mit dem Rad nach Mandalay. Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen. Unser Zug nach Kyaukme ging um 4:45 Uhr, nicht unsere Zeit. Obwohl wir erste Klasse fuhren, war es ein einziges Schütteln und Schaukeln. Zug und Bahnstrecke sind museumsreif. Ebenso das Goteik-Viadukt, über das der Zug in luftiger Höhe im Schneckentempo fuhr (Brücke von 1903). Unser Plan war von Kyaukme mit dem Fahrrad knapp 200km, für die der Zug 9Std. brauchte, zurückzufahren. Aber es kam wieder anders....
Irgendwas war im Essen oder irgendwas anderes hatte meinen Darm erwischt. Folge: 2 Tage Aussicht Zimmerdecke. An zurückradeln war nicht zu denken, wir mussten zwangsläufig den Bus nehmen. Schade, das Hügelland im Nordosten von Mandalay mit tollen Reisfeldern und Dörfern wäre schön zum radeln gewesen. Aber unsere Radfahrpläne haben wir sehr zurückgesteckt. Es ist einfach mühsam und schwierig, da wir nicht überall übernachten dürfen.
Von Mandalay aus ging es mit dem Boot nach Bagan - 11 Std. den Irrawady runter, quasi ein Stück Urlaub. Allerdings "durften" wir wieder mal um 4.00 Uhr aufstehen. Klingt schrecklich, aber wir hatten uns zumindest schon daran gewöhnt zwischen 6.00 und 7.00 Uhr hoch zu sein. Das ungewöhnliche daran waren nur die menschenleeren Strassen um diese Uhrzeit - richtig gespenstisch. Wir genossen vom Schiff aus die vorbeiziehenden Landschaften und Tempel. Bagan, bekannt für seine vielen alten Tempel und Pagoden, war noch mal eine Spur heisser als Mandalay. So fiel die Entscheidung nicht schwer, sich am ersten Tag mit dem Pferdewagen durch die staubigen Wege des Tempelbezirks fahren zu lassen. Es war eine Fortbewegungsart, die uns sehr gefiel. Aber auch das war anstrengend! Von morgens um 9.00 Uhr bis zum Sonnenuntergang Tempel nach Tempel, keiner wie der andere, manche zum Besteigen, einfach faszinierend. Besonders beim Sonnenuntergang war es eine tolle Stimmung, auf die umliegenden ca. 4000 Tempel zu schauen. An den darauffolgenden Tagen liessen wir es mit dem Fahrrad etwas langsamer angehen, wir waren einfach "ausgetempelt".
Nun folgte mit der Busfahrt nach Kalaw (ca.250km) wieder ein Kapitel aus dem Buch "Eigentlich wollten wir Urlaub machen...": 4.00 Uhr aufstehen, packen, Räder auf das Busdach, Bus ohne Beinfreiheit, immer mehr Menschen wurden eingeladen, Reifenpanne, Hitze (Kurzfassung!) - um 14.00 Uhr Ankunft in Kalaw. Inzwischen wußten wir auch von anderen Reisenden, dass es kaum anders geht, es sei denn man nimmt das Flugzeug. Kalaw, auf 1300m Höhe gelegen war von angenehmer Temperatur, d.h. um die 30 Grad! Da machte es sogar wieder Spaß zu radeln. So radelten wir die 65km zum Inle-See am nächsten Tag. Es ging auf nicht ganz schlechter Strasse meistens bergab durch eine schöne Hügellandschaft, durch Dörfer mit netten Menschen. Am Inle-See in Nyaungshwe war einiges los. Ein buddhistisches Fest sollte drei Tage (und vor allem 4 Nächte) dauern. Die Konzerte und Gesänge gingen bis zum Sonnenaufgang.... Wir hatten das grosse Glück bei einer Prozession über den See dabei sein zu können und verbrachten fast den ganzen Tag mit einem Boot auf dem See. Nach Kalaw ging es zurück mit dem Fahrrad, diesmal zwar bergauf, aber das war immer noch besser als uns wieder in einen engen Bus zu quetschen. Wir genossen die 65km! In Kalaw übernachteten wir, bevor wir uns an die Strecke nach Thazi machten. 95km chlechteste Strasse bergab vom vielen Regen oft ausgewaschen, durch grüne Urwaldlandschaft. Unterwegs mussten wir anhalten wegen "Strassenbauarbeiten", die darin bestanden, Felsen aus dem Berg zu sprengen, die in schwerer Handarbeit an der Strasse zerkleinert und in die Strassenlöcher gefüllt wurden.
In Thazi angekommen, wollten wir eigentlich noch den Nachtzug nach Rangoon nehmen, aber es ging nur noch ein Zug um 22.00 Uhr in der Holzklasse, sprich sehr unkonfortabel, eng und sicher ohne Schlaf. Glücklicherweise ging gleich am nächsten Morgen ein Zug mit "upper class" Abteil, sprich Liegesitz, Beinfreiheit und Abwechslung durch Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft. Der Zug kam 12Std. später im strömenden Regen in Rangoon an. Hier verschenkten wir am nächsten Tag einige Fahrradersatzteile, ebenso einige Kleidungsstücke. So ging es also mit leichtem Gepaeck zum Flughafen und mit dem Flieger wieder in eine andere Welt.....
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